
Trauer um Florian

zahlreiche Protestveranstaltungen
Tod in Krems
Ein Einbruch in einen Merkur-Markt in Krems, Jugendliche die aus Langeweile oder aus der Sucht nach dem Adrenalinkick diesen Einbruch durchführen, zwei Polizisten, die den Einbruch entdecken und schießen. Das Ergebnis ist ein toter Jugendlicher, der zweite Jugendliche hat Durchschüsse in den Beinen.
Viele Fragen tauchen da auf. War es wirklich nötig zu schießen, denn es waren Jugendliche? Warum wurde Florian Pirker in den Rücken getroffen? Ist die österreichische Polizei so schießwütig oder war das Ganze eine Verkettung unglücklicher Zufälle?
Akzeptieren kann man den Tod eines Jugendlichen der auf diese Art und Weise geschah wohl kaum. Wenn man auch nicht rückgängig machen kann was da geschehen ist, so sollte man zumindest abklären wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann.
Wir stellen hier eine Plattform zur Verfügung um über die Vorkommnisse in Krems zu diskutieren, Vorschläge und Ideen zu sammeln, wie zukünftig verhindert werden kann, dass sich so ein Vorfall wiederholt und natürlich bieten wir auch die Möglichkeit zur Trauerarbeit.
Die Chronologie
- Mittwoch 05.08.2009 02:30 Uhr: 2 Jugendliche brechen über die Laderampe in die Geschäftsräume des Merkur in Krems ein.
. - Mittwoch 05.08.2009 03:00 Uhr: Zwei Polizisten (eine Frau und ein Mann) werden zu einem Einbruchsalarm im Merkur-Markt in Krems gerufen und stellen die beiden Jugendlichen. Die Jugendlichen versuchen zu fliehen und die Polizisten schießen. Es wird 3 mal geschossen. Die Frau schießt einmal und der Mann zweimal. Dabei wird der 14-Jährige Florian Pirker in den Rücken getroffen und der 17-jährige Roland T. erhielt einen Durchschuß beider Oberschenkel.
. - Mittwoch 05.08.2009 03:43 Uhr: Gemäß Angabe der Polizei wird zu diesem Zeitpunkt die Mutter informiert, dass ihr Sohn Florian durch einen Schuß schwer verletzt wurde. Zur gleichen Zeit trifft Florian mit der Rettung im Krankenhaus ein, kann aber nicht mehr gerettet werden.
. - Mittwoch 05.08.2009 ca. 04:30 Uhr: Die Mutter trifft im Krankenhaus ein und erfährt vom Tod ihres Sohnes.
. - Donnerstag 06.08.2009: Es wird über den 17-Jährigen Roland T. U-Haft verhängt. Am Nachmittag kommt es zwischen dem älteren Bruder Florians und einem Fotografen vor dem Merkur-Markt zu einer Schlägerei. Dabei erleidet der Fotograf Gesichtsblessuren und einen Jochbeinbruch. Der Fotograf erstattet Anzeige.
. - Freitag 07.08.2009 19:00 Uhr: Der 28-Jährige Eugen Ioan L., ein Rumäne wird als mutmaßlicher Mittäter in Gföhl in seinem Wohnbezirk Krems festgenommen.
. - Freitag 07.08.2009 19.45 bis 23.30 Uhr: Die beiden Polizeibeamten werden verhört. Sie behaupten, dass sie angegriffen wurden.
. - Samstag 08.08.2009: Der festgenommene 28-jährige Rumäne bestreitet seine Mittäterschaft. In der Zwischenzeit entstehen Gerüchte dass es noch weitere Mittäter geben könnte.
. - Montag 10.08.2009: Die Zeugenbefragungen gehen weiter. Es steht Aussage gegen Aussage. Die Polizisten behaupten sie wurden angegriffen, der 17-jährige Roland T. behauptet die beiden Jugendlichen waren auf der Flucht als geschossen wurde. Es wird bekannt, dass gegen die Polizisten wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ermittelt wird. Der Staatsanwalt beantragt am Nachmitttag eine Tatrekonstruktion.
. - Donnerstag 13.08.2009 13:15 Uhr: Florian wird am Friedhof der Stadt Krems beerdigt. Der Totengottesdienst findet um 12:00 Uhr in der Pfarrkirche Krems-Lerchenfeld statt.
. - Donnerstag 20.08.2009: Beim Haftprüfungstermin für den 17-jährigen Roland T. wird entschieden, dass er weiterhin in Haft bleibt. Begründet wird dies mit Tatbegehungsgefahr. Er hat in der Zwischenzeit 4 Einbrüche gestanden.
. - Freitag 21.08.2009: Die beiden Polizisten sind wieder im Dienst. Sie werden allerdings im Innendienst eingesetzt und sind in psychologischer Betreuung.
. - Mittwoch 26.08.2009 21:30 Uhr: Es findet eine Tatrekonstruktion im Supermarkt statt. Über das Ergebnis der Tatrekonstruktion wird vorerst Stillschweigen vereinbart.
. - Mittwoch 02.09.2009: Die Anwälte der Jugendlichen melden sich zu Wort. Die Schüsse seien bei guter Sicht und ohne Vorliegen eines Angriffes gefallen.
. - Donnerstag 03.09.2009: Der Anwalt der Polizisten spricht von schlechter Sicht und Abwehr eines Angriffes in einer gefährlichen Situation. Auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft spricht von einem subjektiven Eindruck der Anwälte. Es wird bekannt dass die Untersuchungshaft des 17-jährigen Roland T. noch bis mindestens Ende September andauert.
. - Mittwoch 07.10.2009: Die Experten-Gutachten sind fertig. Diese widersprechen dem von den Polizisten geschilderten Ablauf der Vorgänge. So sprechen die Polizisten von einer Entfernung von 6 bis 7 Meter bei der Schussabgabe, im Gutachten wird eine Entfernung von 1,8 Meter bis 2,5 Meter festgestellt.
. - Montag 12.10.2009: Die Anwälte der Polizisten widersprechen den Gutachten und erklären dass die Polizisten weiterhin an der Aussage sich bedroht gefühlt zu haben festhalten.
. - Mittwoch 14.10.2009: Über die Medien wird von weiteren Verhaftungen berichtet. Es wird die Behauptung aufgestellt, dass die beiden Jugendlichen einer großen Bande angehören, die eine Vielzahl an Einbrüchen zu verantworten hat.
. - Freitag 16.10.2009: Ein Sprecher der Polizei gibt bekannt, dass ein loser Kontakt zu einem der Mitglieder der Bande existiert hat, dass die beiden Jugendlichen jedoch keine Mitglieder dieser Bande waren.
. - Montag 19.10.2009: Es taucht die Frage auf, warum Florian auf die Aufforderung durch die Polizei, stehen zu bleiben und die Hände zu heben, nicht entsprechend reagiert hat.